Bonner Mahnmal – geerdet

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“Eine Art Rathauseroberung” – Das Künstlerpaar Horst Hoheisel und Andreas Knitz. In der Mitte Wolfgang Deuling

Wie berichtet, hat es bislang kein Mahnmal zur Erinnerung an die Ereignisse am 10. Mai 1933 gegeben, als wie in vielen anderen deutschen Städten auch in der Universitätsstadt Bonn die Bücher brannten. Angezündet von akademischem Pöbel in Gestalt von waffentragenden Studenten und rednerisch begleitet von Professoren, wie dem Germanistikprofessor und Theoretiker des “gesunkenen Kulturguts Hans Naumann:

So verbrenne denn, akademische Jugend deutscher Nation, heute zur mitternächtigen Stunde an allen Universitäten des Reichs, – verbrenne, was du gewiß bisher nicht angebetet hast, aber was doch auch dich wie uns alle verführen konnte und bedrohte.

Wir schütteln eine Fremdherrschaft ab, wir heben eine Besetzung auf. Von einer Besetzung des deutschen Geistes wollen wir uns befrein.

Über die Initiative zur Errichtung eines Gedenkmals an diese wohl dunkelsten Stunde des Bonner Geisteslebens berichtet der BonnerGeneralanzeiger:

Schon vor zwei Jahren hat der ehemalige Büroleiter des früheren SPD-Bundestagsabgeordneten Hans-Jürgen Wischnewski mit Blick auf den 80. Jahrestag der Bücherverbrennung 2013 die Initiative für die Errichtung eines Mahnmals auf dem Markt ergriffen. Jetzt stimmte der Bonner Stadtrat der Umsetzung von Wolfgang Deulings Plänen zu, dort ein würdiges Mahnmal zu errichten.

Bonner Rat, 1. März 2012: Einhelligkeit für das Mahnmal

Der von einer Jury ausgewählte Entwurf für das Mahnmal wurde vom Künstlerduo Andreas Knitz aus Ravensburg und Horst Hoheisel aus Kassel erstellt: Über den Marktplatz sollen bronzene Lesezeichen mit Titel und Name des Autoren der von den Nazi verbrannten Büchern in das Pflaster verlegt werden. Die zunächst wie zufällig auftauchenden Lesezeichen verdichten sich, je näher sie dem Rathaus kommen. Denn vor der Rathaustreppe (siehe erstes Bild) hatte im Mai 1933 die Bonner Studentenschaft zur Bücherverbrennungsaktion mit der Bezeichnung “Kundgebung wider den undeutschen Geist” aufgerufen. Mit der prinzipiellen Zustimmung des Bonner Stadtrats war der Weg zwar prinzipiell geebnet, doch die Finanzierung blieb noch weiterhin strittig. Auch gab es gegen einzelne Aspekte Einwände der Verwaltung. Als im wahrsten Sinne “Stolperstein” erwies sich die Lage und die Art der Anbringung der Bücherkiste, die einmal im Jahr geöffnet werden sollte. Zu diesem Zweck fand dieser Tage eine Begehung des Platzes statt, worüber wiederum der Generalanzeiger berichtete:

“Der Standort eignet sich gut für unser Mahnmal”, sagte Knitz nach der Ortsbegehung. Auch zeigte er sich über das anschließende Gespräch mit der Bonner Kulturverwaltung sehr zufrieden. “Anfängliche Bedenken hinsichtlich der Bücherkiste konnten wir ausräumen. Das Mahnmal wird jetzt so umgesetzt, wie wir es geplant haben,” freute sich Knitz. Er gab sich außerdem zuversichtlich, dass das Kunstwerk pünktlich zum 80. Jahrestag der Bücherverbrennung am 13. Mai 2013 eingeweiht werden kann.

 

Verwaltung, Künstler und Initiatoren in reger Verhandlung

Alle technischen Fragen gelöst. Erfolgreicher Abschluss in der Bonner Frühlingssonne.

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