Im Sinne des “Open Government”, zu dem sich nunmehr auch die Stadt Wien bekennt, sind hier die Vorstellungen der Leitung über die Zukunft der Wiener Büchereien wiedergegeben, da diese Zukunft ja durchaus von öffentlichem Interesse ist.
Kommentar zu einigen Punkten wird noch folgen, das Vorhaben der Einsetzung von “RegionalleiterInnen” wurde ja bereits als zusätzliche Hierchieebene bei gleichzeitigem Personalmangel im operativen “Geschäft” kritisiert. Ebenso wurde die Sinnhaftigkeit des Projekts der “massenhaften Reduzierung” von Medien hinterfragt, welches anfangs als Notwendigkeit wegen der Bundesförderung bezeichnet wurde, dann mit dem Hinweis auf möglichst kostengünstige Umstellung auf “Stapelverbuchung” zu erklären versucht und nun im Konzept als Angleichung an Büchereistandards formuliert wird. Gerade diese Massenabschreibungen sorgen für eine erhebliche Unruhe unter den Büchereibediensteten. Allzu unausgegoren erscheint vielen diese Vorgehensweise und als ein konzeptioneller Schnellschuss statt einer eingehenden Analyse. Dass angesichts der geplanten Projekte und neuen bzw. zusätzlichen Aufgaben die Personalfrage nicht mal erwähnt wird, läßt nichts Gutes erwarten. Offenbar setzt die Leitung völlig auf Automatisierung unter Vernachlässigung der Kernkompetenz und der Stärke des Büchereipersonals: dem der Medienvermittlung und der Einzelberatung.
Dazu und zu anderen Themen wird es in den nächsten Wochen und Monaten in den Büchereien sicherlich einige Diskussionen geben, welche auch hier wiedergegeben werden sollen.
Entwicklungskonzept Büchereien Wien (Rohkonzept)
1. Allgemeine Überlegungen
Wien verfügt über ein historisch gewachsenes, dichtes Netz an Büchereizweigstellen, die zum Teil über relativ geringe Büchereiflächen verfügen. Daraus resultiert ein ambivalentes Verhältnis zwischen Fläche und Medienbestand; die Idealwerte von Medien pro Quadratmeter Büchereifläche werden derzeit teilweise überschritten (zu viele Medien auf zu wenig Raum). Das Verhältnis zwischen nachgefragten Medien und „Ladenhütern“ ist unausgeglichen und daher zu verändern.
Das Aufgabenfeld öffentlicher Büchereien hat sich in den letzten Jahren beträchtlich erweitert. Neben dem „klassischen“ Angebot des Medienverleihs sind es vor allem vor Ort stattfindende Aktivitäten zur Förderung der Lesekompetenz von Kindern jedweden Alters, interkulturelle Angebote und Vorortangebote zur Nutzung der Büchereien als Lernort, die stark an Bedeutung gewonnen haben.
Ausgangspunkt des vorliegenden Konzeptes ist es, die neuen Aufgabenbereiche und Herausforderungen der Büchereien Wien mit den zur Verfügung stehenden – vor allem räumlichen – Ressourcen in Einklang zu bringen.
Die beschriebene Vorgangsweise schafft die dafür notwendigen Voraussetzungen auch in bestehenden Büchereizweigstellen ohne Einschränkung des bisherigen Angebots und ermöglicht damit höchst effiziente Büchereien mit moderner technischer Ausstattung in attraktiven Räumlichkeiten.
2. Festlegung der wesentlichen Aufgaben der Büchereien Wien
bildungspolitische Aufgabe:
Förderung der Lese- und Informationskompetenz als Ort des lebensbegleitenden Lernens
[z.B. Lesefrühförderung, Veranstaltungen für Kleinkinder, Veranstaltungen für Schul- und Kindergartengruppen, interkulturelle Büchereiarbeit, Lernort Bücherei, fachkundig ausgewählter Medienbestand]
Unterstützung der schulischen, außerschulischen und beruflichen Aus- und Weiterbildung
[z.B. Themenboxen für Kindergärten und Volksschulen, Büchereiführungen für Schulklassen, Bildungsberatung und Minikurse in Kooperation mit den VHS, interkulturelle Büchereiarbeit, fachkundig ausgewählter Medienbestand]
kulturpolitische Aufgabe:
Ermöglichung der Teilhabe am kulturellen Leben
[niederschwelliger Zugang zu Literatur, Film und Musik durch fachkundiges Angebot an Büchern, Hörbüchern, CDs und DVDs]
gesellschaftspolitische Aufgabe:
Ermöglichung der Teilhabe an der Informationsgesellschaft, Unterstützung des Alltagsmanagements und einer kreativen Freizeitgestaltung
[z.B. freier Internetzugang in allen Büchereizweigstellen, umfangreiches Angebot an Tages- und Wochenzeitungen, interkulturelle Büchereiarbeit, Veranstaltungen zu aktuellen Themen, fachkundig ausgewählter Medienbestand]
3. Organisatorische und erste inhaltliche Maßnahmen
3.1. „Regionalisierung“
Einteilung der Büchereizweigstellen in 4 Regionen (um auch die bisherige Leitungsspanne zu verringern):
- innerhalb der Regionen werden Öffnungszeiten, Personaleinsatz, Veranstaltungen und Medienbestand abgestimmt;
- die Koordination der Regionen erfolgt durch eine Regionalleiterin/einen Regionalleiter.
Hauptbücherei bleibt „Zentralbibliothek“ für die ganze Stadt
3.2. Bestandsbereinigung
Reduzierung des Bestands anhand bibliothekarischer Standards auf 1000-1500 Medieneinheiten/30 m2
–> dadurch wird eine erhöhte Aufenthaltsqualität sowie mehr Platz für Lernplätze und lesefördernde Maßnahmen geschaffenDas Resultat des bereits eingangs erwähnten unbefriedigenden Verhältnisses zwischen Fläche und Medienbestand sind viele übervolle Büchereien mit einem nicht unerheblichen Anteil an ungenutzten Medien, die zuwenig Platz für lesefördernde Aktivitäten und Lernplätze bieten und darüber hinaus nicht sonderlich attraktiv wirken.
Um ein ausgewogenes Verhältnis zwischen Bestandsgröße und Büchereifläche herzustellen, ist eine Reduktion des Medienbestandes erforderlich.
Durch eine sorgfältige Abstimmung des Medienbestandes in den einzelnen Regionen kann das auch ohne Einschränkung des Angebots realisiert werden.3.3. Überlegungen zu den Standorten
Verlegung folgender Büchereien (auf Grund der Größe, Lage bzw. mangelnder Barrierefreiheit)
- 09., Simon-Denk-Gasse 4-6 –> z.B. Campus Altes AKH
- 10., Bücherei Hasengasse –> neuer Hauptbahnhof
- 13., Hofwiesengasse 48 –> größerer Standort mit rd. 500 m2
- 14., Linzer Strasse 309 –> größerer Standort mit rd. 350 m2
- 18., Weimarer Str. 8 –> in Richtung Gersthof (eventuell Zusammenführung mit Bücherei Billrothstr. 32)
- 21., Brünner Straße 138 –> nach Stammersdorf
- 22., Bernoullistrasse 1 –> neues Zentrum Kagran
Neuer Standort bzw. Erweiterung eines bestehenden Standorts
- 22., Siegesplatz 7 – mögliche Erweiterung um den im Haus befindlichen, leerstehenden Saal oder Verlegung
- 22., Seestadt Aspern (Stadterweiterungsgebiet)
3.4. Ziele bis 2015 (sowie weitere Überlegungen bis 2020):
Erweiterung der technischen Ausstattung der Büchereizweigstellen:
- Arbeits- und Lernplätze mit WLAN (abgestuft nach Büchereifläche, mindestens 3)
- Ausstattung aller Büchereistandorte mit RFID-Technologie:
- in allen Büchereien: Ausstattung aller Medien mit RFID-Transponderchips
- in Grätzelbüchereien: Stapelverbuchungsarbeitsplatz
- in Bezirksbüchereien: Stapelverbuchungsarbeitsplatz, Selbstverbuchungsgeräte, Selbstrückgabegeräte, Kassenautomaten, Sicherungsgates
- in Stützpunktbüchereien: Stapelverbuchungsarbeitsplatz, Selbstverbuchungsgeräte, Selbstrückgabegeräte, Kassen- und Rückgabeautomaten, Sicherungsgates
Erhöhung des Anteils der LeserInnen an der Bevölkerung auf 15-20 % (derzeit ca.10 %)
Angestrebte Fläche für neue Büchereizweigstellen:
- Stützpunktbücherei: 1000-1500 m2
- Bezirksbücherei: 500-700 m2
- Grätzelbücherei: 300 m2