Das Ende einer Leihbibliothek durch ergreifendste Sensations-Novellen

boernsteincoverkl„Leichter ging es mir mit der Gründung einer deutschen Leihbibliothek in Paris, die ich auch unternahm und durchführte. In ein Lesekabinet muß man selbst gehen, um die Zeitungen zu lesen, aber die Bücher einer Leihbibliothek umzuwechseln, kann durch dienstbare Geister besorgt werden, und daher ist die Lage der Lokalität nicht so sehr von Wichtigkeit.“
„Diese erste deutsche Leihibliothek in Paris bestand aus ungefähr 10.000 Bänden, die ich nach sorgsamer Auswahl mir in Leipzig hatte zusammenstellen lassen; – die Hälfte davon waren Romane und Henry_BoernsteinklUnterhaltungslekture, die andere Hälfte bestand aus unseren deutschen Klassikern und aus populärwissenschaftlichen Werken, Reisebeschreibungen u. d. m. Das Unternehmen in der Rue Jean Jacques Rousseau No. 8 eröffnet, gegenüber dem Hauptpostamte, also am centralsten Punkte der Weltstadt, fand eine sehr günstige Aufnahme und zahlreiche Abonnenten, und ein gewähltes Publikum, darunter sogar mehrere Franzosen, benützte fleißig die Leihbibliothek, die wirklich einem lang gefühlten Bedürfnisse der Deutschen in Paris entsprach. Ich führte diese Leihbibliothek mit steigendem Glücke bis zur Februar-Revolution fort, dann hatten die Leute andere Dinge im Kopf, als Romane zu lesen; denn sie erlebten ja alle Tage die spannendsten und ergreifendsten Sensations-Novellen, und als ich 1849 Paris verließ und sich in damaliger, aufgeregter Zeit kein Käufer für die Bücher gefunden hatte, nahm ich sie, wie so viele andere überflüssige Dinge, nach Amerika mit ….“

Heinrich Börnstein: Fünfundsiebzig Jahre in der Alten und Neuen Welt. Memoiren eines Unbedeutenden S. 345f (Wien-Bibliothek)

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Zu Börnstein und “das” Pariser Vorwärts! siehe: “Ein ganz besonderes Blatt!”

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