Nebensächliches wie Internet-Terminals in Büchereien
In Helge’s Blog ist zu den eineinhalb Jahre geschlummert habenden Ergebnissen der sogenannten Internet-Offensive u.a. zu lesen:
Vor allem im Bildungsbereich stehen da viele sinnvolle Dinge drin. Andere Bereiche bleiben unklar: Zur Verbesserung der Breitbandversorgung ist nur Nebensächliches wie Informationskampagnen, verbilligte Sozialpakete und Internet-Terminals in Büchereien zu finden.
Was auch immer unter Neben- oder Hauptsächlichkeiten gemeint sein wird, Tatsache ist, dass die Büchereien und Bibliotheken in dieser Frucht des aus einem “nationalen Schulterschluss” geborenen Geistes nur marginal vorkommen. “Büchereien” überhaupt nur einmal:
Öffentliche Zugänge mit optionalen Beratern schaffen
Um allen Bevölkerungsgruppen die Teilhabe an der Informationsgesellschaft zu ermöglichen, sind freie Zugänge zum Internet bei öffentlichen Knotenpunkten (z. B. bei Behörden, AMS, Büchereien etc.) einzurichten. Dort stehen auch Berater zur Verfügung, die Menschen im Umgang mit dem Internet schulen.
Den Schulterschließern dürfte entgangen sein, dass in den größeren Büchereisystemen Österreichs der freie Zugang zu Internetarbeitsplätzen schon seit geraumer Zeit und kostenlos möglich ist. Konsequenterweise wird daher in der Auflistung der zu diesem Thema bestehenden Initiativen zwar den Pensionsversicherungsanstalten, den Terminals der Wiener Linien u,.a., aber nicht den Büchereien Erwähnung getan. Nebensächlichkeiten eben.
Die allgemeinen Feststellungen der Initiative (PDF) sind zum einen der übliche Bullshit, zum anderen ein Sammelsurium bereits bestehender, wünschenswerter oder bereits in Umsetzung begriffener Maßnahmen (kein Wunder, stammt das Ganze ja aus dem Jahr 2008), die dem selbst gesteckten Ziel, die österreichische Internetaktivitäten an die Spitze zu hieven, Genüge tun sollen. Etliche sind, wie Helge festgestellt hat, unfreiwillig komisch.
Putzig finde ich auch: “Maturaprüfung mit Laptops (auch mündlich) soll Standard werden“
Kriminalistisch dagegen: “meinungsbildende Personen identifizieren und sie ausbilden“
Eher gefährliche Drohung: “Schaffung eines zentralen Zugangsportals für BürgerInnen“.
Dass es der Initiative im Abschnitt “Netkultur” ein Anliegen ist, “Formate für Industrie (zu) finden“, klingt irgendwie nett und schal.
Und schließlich sorgen sich die Initiatoren auch um die Lagerung ihrer Vorschläge, daher fordern sie auch, ein
“Nationalmuseum der Netzkultur einzurichten”.
Ins Nationalmuseum der Netzkultur, die sie meinen, gehört wohl auch das Geschlechterverhältnis der an diesem Prozess Beteiligten.
Zurecht werden für die verschiedenen, thematisch orientierten Arbeitsgruppen SchirmHERREN genannt (gekürzt auf Vornamen unter Weglassung von Titeln und Institutionen):
Bildung und Generationen (Schirmherr Thomas), Gesundheit und Soziales (Schirmherr Rudolf I), Kultur und Medien (Schirmherr Rudolf II), Sicherheit und Konsumentenschutz (Schirmherr Mathias), Wirtschaft, Infrastruktur und e-Government (Schirmherr René), Wissenschaft und Forschung (Schirmherr Peter), Green ICT (Schirmherr Dietmar).
Hinter den sich selbst als “beste Köpfe” bezeichnenden Schirmherren stehenden UPC, Hewlett-Packard, Arbeiterkammer, WKO – Fachverband Telekom/Rundfunk, Uni Wien, Nokia Siemens.
Der einzigartige nationale Schulterschluss (“Österreich-Faktor” ) findet eine wunderbare Fortsetzung im “Kompetenzzentrum Internetgesellschaft“, für den Hanspeter Lehofer die schöne Abkürzung KoZIG gefunden hat. Um die Internationalität dieses Kompetenzzentrums zu illustrieren und die Kompetenzen zu bündeln, könnte man es am besten in der Nähe eines anderen Kompetenzzentrums ansiedeln, dem “Kompetenzzentrum für aufenthaltsbeendende Maßnahmen“.
In dieser kreativen Umgebung kann auch das gemeinsame Ziel optimal verwirklicht werden, wie es Robert Hackl von Tele 2 im Begleitvideo so erfrischend benannt hat:
“die Internetpenetration in Österreich zu erhöhen und voranzutreiben”

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