Welcher Dolm hat Keynes in den Zug gesetzt?

Die ÖBB als “Dolm der Woche” zu nominieren, ist angesichts der laut gewordenen Absicht, Stückgut künftig von der Schiene auf die Straße zu befördern, eine durchaus zutreffende Wahl.
Nur, wie kann jemand auf die Idee kommen, Keynes, dessen Name nicht ganz zufällig mit der Theorie staatlichen, gesamtwirtschafltichen Handelns verknüpft ist, angesichts der Zustände in der ÖBB zu einem Marktradikalen werden zu lassen?
Bevor er in einen Zug der ÖBB eingestiegen ist, hat er zuvor noch eine der Züge der britischen Privatbahnen benutzen müssen, die nach der Verluderung des Schienennetzes und dem Bankrott der hauptverantwortlichen Betreibergesellschaft wieder teilweise unter staatliche Kontrolle gestellt wurde. Eventuell ist er auch über die Schweiz gefahren, wo die staatliche Schweizer Bahn schon vor Jahren ein ambitioniertes Ausbau- und Komfortverbesserungsprojekt der Bahnen in die Wege geleitet hat. Wenn Keynes dann, sagen wir in Wien ankommt, kommt er vielleicht zum Schluss, dass sich die ÖBB gerade zwischen diesen beiden Extremen befindet und noch eine Chance für eine menschenfreundliche Bahn bestünde, wenn die politisch Verantwortlichen gemeinwirtschaftliche und menschenfreundliche Interessen verfolgen würden. 
Der Vorschlag “Zurück auf die Straße” stammt immerhin von der Unternehmensberatungsfirma Roland Berger, die in ihren Expertisen stets geneigt war, staatliches Handeln einzuschränken und gemeinwirtschaftliche Aufgaben unter privatwirtschaftliche Optimierungsinteressen zu subsumieren. Eine solche Firma auf die ÖBB loszulassen, heißt nichts anderes, als dem Marktradikalismus freien Lauf zu gewähren - und das Ergebnis hat nicht enttäuscht.
Wenn die ProduzentInnen des “Dolms der Woche” gaghalber unbedingt einen Ökonomen in den Waggon setzen wollten, dann wäre eher Friedrich August der passende gewesen, der am Ende der Fahrt vielleicht seiner Markthörigkeit abgeschworen hätte - was ich aber nicht glaube.


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