Kaplan fällt dem Quotenwahn zum Opfer
“Name für die Quote?” fragt das Bezirksjournal in der aktuellen Nummer und fügt dieser kryptischen Frage eine noch viel anspruchsvollere hinzu:
Quotenwahn oder historischer Verdienst?
Anlässlich der Nähe zum “Equal Pay Day” und etlicher pfiffiger Auslassungen darüber in der österreichischen Bloggerszene würde ich mir diese Frage so deuten, dass nunmehr für Frauen die Möglichkeit besteht, zwischen wahnhaften Quotenregelungen (wie es beispielsweise jetzt am Übermaß an weiblichen Rektorinnenernennungen zu beobachten ist) oder einem noch nie dagewesenen Einkommenssprung zu wählen.
Doch es ist ganz anders. Franz Schodl, fleißiger Leserbriefschreiber in der Kronenzeitung, ehemaliger grüner Bezirksrat in Meidling, nunmehr für die Bürgerliste “Pro Hetzendorf - Bürger für Bürger“ ebenfalls als Bezirksrat aktiv, ist mit der Benennung eines Parks unzufrieden:
Die Meidlinger SPÖ will die Parkanlage “Friederike Stoiber-Park” nennen. Stoiber war die erste Leiterin des Pensionistenwohnhauses Hetzendorf. Franz Schodl von der Bürgerliste “Pro Hetzendorf’ stößt dieser Name sauer auf. Er tritt dafür ein, den Park nach Franz Hübel, einem ehemaligen Kaplan der Pfarre Hetzendorf, zu benennen.
“Die SPÖ zeigt bei ihrer Benennung einen Quotenwahn. Dass die Namensträgerinnen auch der Partei angehören, ist aus sozialistischer Sicht sowieso selbstverständlich”, ärgert sich Schodl.
Das parteipolitische Motiv nimmt er knirschend aber doch als gegeben hin. Das Motiv, eher Frauen als Namensgeberinnen zu nehmen, um in der Topographie Wiens das krasse Ungleichgewicht von männlichen und weiblichen Ortsbezeichnungen zu mindern, erregt ihn dagegen und so schlägt er, unterstützt von ÖVP und FPÖ, einen Kaplan, dessen geschlechtliche Zuordnung in der Regel über jeden Zweifel erhaben ist, als Gegenkandidaten vor.
Wer von beiden mehr verdient hat oder wer mehr Verdienste um Meidling erworben hat, steht dabei nicht zur Debatte, sondern tritt nur als dumme Frage im Bezirksjournal-Artikel auf.
“Pro Hetzendorf - Bürger für Bürger” bringt es auf den Punkt:
Kaplan Hübel als Quoten- und Politopfer
09 Sep 24
1. mo
Kommentar vom 24. September 2009 um 16:20
Je nu - so ein Märtyrerschicksal beschert Katholiken aber doch eine mehr oder minder automatische Seligsprechung, oder? Was letztlich mehr Popularität bedeutet als NamensgeberIn eines Beserlparks zu sein. Insofern läufts doch gar nicht schlecht für den Kaplan. :-)
2. haftgrund
Kommentar vom 24. September 2009 um 17:02
o daran hatte ich gar nicht gedacht! Da er somit auf dem Wege zum echten Märtyrer ist, braucht seinetwegen auch keine Nonne von Krampfadern geplagt werden, wie es jener brasilianischen für den sel. Karl, dem Kurzkaiser, zugestoßen ist.
Und das Patronat ist auch schon klar - der Quotenwahn.
Also wird man am Aufstieg gehinderte Männer allenthalben beten hören:
“O seliger Franz Hübel!
Befreie uns vom Übel
der Quote
und manch anderer Marotte
der Damen
Amen!”
3. mo
Kommentar vom 24. September 2009 um 18:22
:-)))))))))))))
You made my day!
4. Franziska
Kommentar vom 24. September 2009 um 22:14
Ich find deinen Artikel zwar total lustig und toll gschrieben, aber im Moment ist mir bei sowas ehrlich gesagt überhaupt nicht mehr zum Lachen zumute. Mir vergeht im Moment sogar das letzte Bisschen Galgenhumor wenn ich sowas hör. Wahrscheinlich weil ich grad wieder am eigenen Leib spüren muss, was die Wissenschaft, die Unis, für hartgesottene (weil weicheiische) Penis-Klubs sind.
Frau muss sich hier entscheiden zwischen entweder (a) von vorn herein resignieren und gar keine Karriere anvisieren, und halt womöglich mit einer mittelschweren oder leichten Depression durchs Leben gehen, oder aber (b) die Karriere frohen Mutes und naiv anpeilen und irgendwann halt dann mit Burn-out und Tablettensucht das Handtuch werfen und halt doch keine Karrie haben, oder (c) zur Schotter-Mitzi werden und durchbeißen bis frau in den Penis-Klub aufgestiegen ist um dort dann endlich ihre ersehnte Existenz - zwar fürderhin als Alien, aber dennoch - bestreiten zu können.
Und dann nichtmal eine Büste im Arkadenhof kriegen - denn dort gilt bekanntlich: frauendfeindliche Psychiater und Jusristen first!
5. haftgrund
Kommentar vom 25. September 2009 um 02:10
@ franziska
alle Informationen, die ich zum Thema aus meiner näheren und weiteren Umgebung erhalte, gleichen den von dir beschriebenen Alternativen aufs Haar! Seit einiger Zeit scheint es einen brutalen Rollback gibt, weil es ja zunehmend ans Eingemachte geht und “Frauen und Kinder zuerst über Bord” gelten würde, wenn die Kinder für den Generationenvertragsschwindel nicht noch gebraucht würden. Also nur die Frauen.
Diesem Hardcore-Verdrängungsprozess wird assistiert von Jüngelchen und nicht ganz so Jüngelchen, die in unglaublicher Selbstzufriedenheit vor sich hin räsonnieren über, ja worüber? Im Grunde nur über Grenzsetzungen: bis hierher und nicht weiter! Des Feuerhakens dummdreistes “Man-wird-ja-noch-fragen-dürfen” zum Equal Pay Day als aktuelles Beispiel und als Steigerungsform der Link in einem Kommentar dazu, scheint mir da geradezu paradigmatisch für diese Haltung zu sein.
Deren Erscheinungsformen - Selbstgefälligkeit, Herrschaftsdummheit, Verachtung der “san-ja-selber-schuld”-Schwächeren - begegnen mir in den vielen Jahren meiner Gewerkschaftstätigkeit auch in den (ohnehin zumeist männlichen) Gestalten der Vertreter jener Parteiangehörigen, die sowohl im Gemeinderat als auch in der Gewerkschaft die absolute Mehrheit als normale Lebensform ansehen und alle anderen Meinungen als störend empfinden.
Ein immer wieder erfolgreiches Mittel dagegen ist Sarkasmus und Verspotten der Lebenslügen dieser in ihren Charaktermasken eingegangenen Existenzen. Denn was ihnen allen fehlt, ist Humor. Daher scheint mir der Hinweis Walter Benjamins (inklusive der scheinbar altmodischen Begriffe) weiterhin und weithin gültig zu sein:
Das sind zwar alles nur Worte, doch manchmal können auch Worte Mut machen, den ich dir herzlichst wünsche!
6. Franziska
Kommentar vom 25. September 2009 um 17:27
Danke für den lieben Kommentar !! Das Benjamin-Zitat war wirklich eine sehr gute Idee :-)