Googles Fünfte Kolonne

Im Kampf gegen jenen Datenkraken, der sich nicht scheut (vornehmlich tote) Autorinnen dem Verhungern anheim fallen zu lassen, haben sich Institutionen zusammengetan, denen Bürgerinnenrechte und soziales Engagement seit jeher am Herzen liegen, wie Microsoft & Yahoo, wie Online-Buchhändler und Raubkopierer Amazon. Der Börsenverein des Buchhandels ist natürlich auch dabei und nicht zuletzt die Deutsche Bundesregierung. Die bekanntlich dem freien Datenfluss dank Zensursula  in einen mitreissenden Strom zu verwandeln gewillt ist. Jene Bundesregierung, die durch den Verzicht auf gesetzliche Rahmenbedingungen das Bibliothekswesen sich frei entfalten hat lassen, wodurch die Bundesländer angehalten wurden, den finanziellen Overkill für die Bibliotheken zu vermeiden, um eine ambitionierte Strukturbereinigung in die Wege leiten zu können.

Gegen diese Achse der ziemlich Guten rotten sich nun die üblichen Verdächtigen, wie selbsternannte Bürgerrechtler, Ewigstudenten und weltfremde Universitätsleitungen zusammen. Ein Spielkonsolen-Dealer ist ebenfalls zu diesem Haufen gestoßen, den nur eines verbindet: eine überaus beschränkte Sichtweise (auch ein Blindenverband ist dabei) hinsichtlich der eigentlichen Bürgerrechte: Eigentum muss Eigentum bleiben, selbst wenn es geistig sein sollte.

heise online: Google-Books-Befürworter formieren sich

Kurz vor Ende der Frist für Eingaben zum so genannten Google Book Settlement haben sich Befürworter der Einigung mit den Urhebern über Buchdigitalisierungen zu Wort gemeldet. Zu ihnen gehören Universitäten, Bürgerrechtler, Studenten und ein Behindertenverband. Wade Henderson, Chef der Leadership Conference on Civil Rights, sagte laut einem BBC-Bericht, seine Organisation unterstütze Google, da das Unternehmen jedem Menschen gleichermaßen Zugang zu Wissen verschaffen wolle. Der verbesserte Zugang zu Informationen ist auch das Argument, das die US Student Association vorbringt. Die National Federation of the Blind rechnet laut Medienberichten damit, dass mit Google Books sehbehinderten Menschen Bücher in einer Anzahl zur Verfügung stehen könne, wie es sie in der Geschichte bisher noch nicht gegeben habe.

Es steht zu hoffen, dass die Achse der ziemlich Guten trotz ihrer allgemein bekannten finanziellen Engpässe ausreichend begleitende Maßnahmen gesetzt hat, um die Angehörigen des Gerichts günstig zu stimmen. Nicht für Microsoft et al, sondern für Vernunft und Freiheit. Besser die Bibliothekskeller bleiben unzugänglich, als dass schon lange gebrechlich gewesene Autorinnen in ihren Gräbern rotieren müssen, weil sie ihres geistigen Eigentums beraubt wurden.

Links:
Aktionsbündnis “Urheberrecht für Bildung und Wissenschaft”
Increasing Access to Books: The Google Books Settlement
BBC-News – Google books deal battle heats up

Via Bib-Link, Heise, c’t

Nachbemerkung: Natürlich gefällt mir bei weitem nicht alles, was Google so treibt und wie es zu seinem Geld kommt, unter anderem auch deshalb, weil ich von je her Jean-Luc Godards Spruch “Werbung ist Faschismus” nicht für ganz falsch halten kann. Noch weniger gefällt mir allerdings die Heuchelei und die gezielte Desinformationspolitik der Gegner von Googles Digitalisierungs-Projekten.
Zu Open-Source gibts übrigens ein ausgezeichnetes Buch von Sabine Nuss: Copyright & Copyriot

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