“Wir haben einen Bücherbus”
sagte die Queen abends zu ihrem Gatten. “Kommt jeden Mittwoch.”
“Feine Sache. Es gibt noch Wunder.”
Wenn man den vielen Blogeinträgen glauben darf – Netbib und Lonely Librarian sind da nur zwei von Unzähligen – dann bin ich wohl der letzte Bibliothekar, der die märchenhafte Geschichte vom Bücherbus und der Königin noch nicht gelesen hat. Hatte:
Es handelte sich um den Bücherbus der Bezirksbibliothek der City of Westminster, einen große Lieferwagen, der nach Spedition aussah und neben den Abfalleimern vor einer der Küchentüren parkte.
Die Hoffnung des Bibliothekars, dass eine erhöhten Wahrnehmung durch die Öffentlichkeit – in diesem Fall sogar durch die höchste Öffentlichkeit, dem leibhaftigen Souverän – sich positiv auf die Bibliothek auswirken könnte, wirkt allerdings sehr realistisch [dass der Bibliothekar hofft, nicht die Hoffnung selbst]:
Der Stadtrat drohte ständig, der Bibliothek die Mittel zu kürzen, und eine so namhafte und distinguierte Entleiherin (oder Benutzerin, wie der Stadtrat sie nannte) konnte da sicher nicht schaden.
Dieser Realismus wird zur knallharten Wirklichkeit, wie im richtigen Leben:
Eines Mittwochnachmittags war er nicht da, und in der folgenden Woche ebenso wenig. Norman nahm sich der Sache sofort an, doch man teilte ihm lediglich mit, die Tour zum Palast sei wegen allgemeiner Mittelkürzungen eingestellt worden.
Norman ließ nicht locker und trieb den Bücherbus schließlich in Pimlico auf, wo er Mr. Hutchings, immer noch beharrlich Bücher etikettierend, auf einem Schulhof entdeckte.
Mr. Hutchings klärte ihn auf, obegleich er der zuständigen Abteilung der Bibliothek mitgeteilt habe, dass Ihre Majestät zu seinen Entleihern gehöre, habe er die Bezirksverwaltung damit nicht beeindrucken können, denn diese hatte ihrerseits Erkundigungen bei Hofe angestellt, und dort hatte man jegliches Interesse an der Sache dementiert.
Hiermit scheidet der Bücherbus aus der Geschichte aus, auch Norman, der Lesebegleiter der Queen, wird von Amts wegen entfernt. Staats- und Hofbibliotheken bleiben ihr allerdings noch erhalten.
Nachdem ihr mitgeteilt wurde, dass ein zurückgelassenes Buch in der königlichen Kutsche wahrscheinlich vom Sicherheitsdienst gesprengt worden sei, weil es für eine Bombe gehalten wurde, konnte die Königin nur bestätigen:
“Ja. Genau das ist es auch. Ein Buch ist ein Sprengsatz, um die Phantasie freizusetzen”.
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