Lost im schwarzen Loch der Zusammenhanglosigkeit?

Mit “Erinnerung, Zusammenhang, Wissen. Das schwarze Loch der Zusammenhanglosigkeit füllen” betitelt die Essayistin und Germanistin Daniela Strigl ihre Rezension des Essaybandes “Ohnmacht und Empörung. Schriften 1982-2006″ von Konstantin Kaiser im Standardalbum.

Die Lektüre der Rezension will nicht so recht gelingen, denn das zu füllende schwarze Loch der Zusammenhanglosigkeit hat mich fest im Griff.  Wenn Erinnerung, Wissen und was sonst noch ihren Zusammenhang verlieren, dann tut sich schon eine gewisse Leere zwischen ihnen auf. Dass diese eine schwarze sein muss, ist wohl durch jenen aus der Astronomie kommenden modischen Begriff  nahe liegend, welcher gute Chancen hat, den Quantensprung und die Unschärferelation als Füllsel für alle möglichen Zustände und Beziehungen zu verwenden. Füllsel. Was soll denn wirklich gefüllt werden: Der Raum zwischen Unverbundenem? Nein, eigentlich das Loch, das schwarze, des Unverbundenen. Sozusagen das Loch des Loches. Da tut sich jede Fülle schwer. Lochgott, übernehmen Sie!

Irgendwann ist jeder Artikel zu Ende. Aber nicht jeder hat ein so furioses wie der Lochartikel:

“Die Ungerechtigkeit ist ein Kind der Ohnmacht wie der Empörung. Doch wie könnte man sie einem übelnehmen, der in seinem Engagement so schlicht ist wie in seinem Denken komplex, einem, der es sich zur Lebensaufgabe gemacht hat,
“das schwarze Loch der Sinn- und Zusammenhanglosigkeit, das sich zwischen dem schrecklich Vergangenen und dem zukunftsgewiß Gegenwärtigen aufgetan hatte, einzureißen, mit Zusammenhang, Erinnerung, Wissen zu füllen, wenn es sein mußte, mit mir selbst.”

Erstens - Überraschung -, die Lochgeschichte stammt offenbar vom Autor selbst, und zweitens, es hat nicht nur die Zusammenhanglosigkeit Platz gegriffen, sondern auch noch die Sinnlosigkeit. Die sich das Loch teilen müssen. Jenes, welches sich aufgetan hat zwischen Vergangenheit und Gegenwart. Und das doch schon längst gefüllt hätte werden müssen. Aber nein, Konstantin Kaiser will es jetzt auch noch einreißen, das Loch. Und dieses eingerissene Loch dann füllen. Hätte er es nicht gleich machen können und sich das Einreißen ersparen. Denn es steht zu befürchten, dass es jetzt leckt.

Oder ein Schicksal erleidet wie der Vakkuumschlucker in Yellow Submarine, der an einer ähnlichen Aufgabe gescheitert ist wie “ein Loch der Zusammenhanglosigkeit …  mit Zusammenhang … zu füllen”.

Vielleicht hilft diesem irrlichternden Loch aber doch das schlichte Engagement des Lochathleten auf die Sprünge, wenn K.K. es nicht nur mit Zusammenhang etc. füllt, sondern “wenn es sein mußte, mit mir selbst.”

Was bliebe?

Ein zwar eingerissenes, aber mit Zusammenhang und Kaiser gefülltes Loch. Ist doch was.


Einen Kommentar schreiben

blank info