“und wenn wir uns täuschten, war unser Irrtum wenigstens ein erhabener” – zum 250. Geburtstag von Filippo Buonarroti

Heute wäre Filippo Buonarroti 250 Jahre alt geworden. Dass er tatsächlich 76 Jahre wurde, grenzt angesichts seines nicht unbewegten Lebens an ein Wunder. Beteiligt an der “Verschwörung der Gleichen” an der Seite Babeufs und mit diesem vor Gericht gestellt, wurde er zur Deportation verurteilt, Babeuf hingerichtet.

Viele Restaurationsjahre später, knapp vor der Französischen Julirevolution veröffentlichte er “Babeuf und die Verschwörung für die Gleichheit”. Damit brachte er die Prinzipien von Gleichheit und sozialer Gerechtigkeit des linken Flügels der Französischen Revolution wieder in Erinnerung und verursachte beträchtliche Aha-Erlebnisse  unter den radikalen Oppositionellen der “Julimonarchie“. Was neben anderen Umständen bekanntlich in die 1848er Revolution mündete.

Buonarroti hat so gesehen als Content-Vermittler zwischen den Generationen zweier Revolutionen fungiert. Dafür verdient er einiges Lob und die Wiedergabe der letzten Zeilen seiner Vorrede des erwähnten Buches:

Ich weiß wohl, daß die politischen und ökonomischen Grundsätze, welche ich entwickeln musste, von vielen verworfen werden; das ist kein Grund, sie nicht zu veröffentlichen; andere angebliche Irrtümer sind unbestreitbare Wahrheiten geworden. Gibt es nicht Menschen, die sich blenden lassen durch das Flittergold der zivilisierten Gesellschaft und durch die Systeme derer, die sich anmaßen, die öffentliche Meinung zu leiten? Sie werden vielleicht die Wichtigkeit dieser Grundsätze schätzen und ein wenig Bedauern empfinden in der Erinnerung an die mutigen Bürger, welche von der Gerechtigkeit dieser Grundsätze durchdrungen und stolz darauf, ihr Leben aufs Spiel zu setzen, um sie zu erhalten, sie schließlich mit ihrem Blut besiegelten.
Fest mit ihnen verbunden durch die Übereinstimmung unserer Gefühle, teilte ich ihre Überzeugung und ihre Anstrengungen, und wenn wir uns täuschten, war unser Irrtum wenigstens ein erhabener; sie hielten daran fest bis zum Tode, und ich, nachdem ich seither und lange Zeit darüber nachgedacht habe, ich bin überzeugt geblieben, daß diese Gleichheit, welche sie liebten, die einzige geeignete Einrichtung ist, um alle wirklichen Mängel auszugleichen, die nützlichen Neigungen zum Guten zu leiten, die gefährlichen Leidenschaften zu fesseln und der Gesellschaft eine freie, glückliche, friedliche und dauernde Form zu geben.

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