Hetze gegen türkische Bücher in Stadtbücherei St. Pölten


Auf der Heimseite des rechtsradikalen Nationalratspräsidenten Martin Graf motzt einer der im Impressum angeführten Autoren gegen den Ankauf türkischsprachiger Medien in der Stadtbücherei St. Pölten:

In St. Pölten wird nun Integration gefördert. Zumindest wenn man der roten Stadtregierung glauben mag. Inwiefern man dies durch die Anschaffung türkischer Bücher bewerkstelligt, ist völlig unklar. Klar ist, dass eine österreichische Bücherei mit Steuergeldern fremdsprachige Bücher kauft und dies leider nicht zu dem Zweck, dass österreichische Bürger eine andere Sprache lernen oder perfektionieren.

Dass diese Typen es nicht behirnen, dass die Beherrschung der Muttersprache wesentlich zum Erwerb sprachlicher Fähigkeiten notwendig ist, ist das eine, was sie als “integrative Lektüre” ansehen, das andere:

Von Friedrich Schiller werden zwar einige Sammelbände angeboten, jedoch können nicht einmal einzelne Werke wie „Die Räuber“ oder „Wilhelm Tell“ ausgeborgt werden.
Doch wenn es um Integration gehen soll, dann wären es wohl eher diese Werke, die Zuwanderern dienen könnten, unsere Sprache zu lernen und unsere Kultur zu verstehen.

Was in den beiden Werken repräsentiert wohl “unsere Kultur”? Dass Hinterhältigkeit und Intrige handlungsbestimmende Elemente in unserer Gesellschaft sind? Dass eine Frau, deren Geliebter lieber zu seinem kriminellen Bubenbund geht, als mit ihr zusammen zu sein, sich deswegen durch ihn töten läßt, statt ihm den Laufpass zu geben? Und wie steht es mit dem Tellschen Lehrstück, einem Art Schweizer Dschihad?
Zumindest partiell unverzichtbar scheint mir jedenfalls ein anderes Sturm-und-Drang-Werk zu sein, das – ja natürlich – Götz von Goethestück, welches in sorgfältig ausgewählter Zitierweise als Eröffnungs- und Abschließungsdialog mit den braunblauen Verfassern des zitierten Artikels herangezogen werden könnte.

Kommentar

  • (wird nicht veroeffentlicht)

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