Ohne Buschmesser durch die Wüste und Marxens Proletarier

Bekanntlich beginnen alle Geschichten ohne Ende:


Es war früh und ich noch viel früher an der Station Grillgasse/Gardnergasse, daher konnte ich noch in die Landschaft gehen, die aus einer großzügigen Hundezone besteht  und einem über die Brücke Laufenden.

Bald jedoch führte mich die Bahn in Richtung Welt,

die vorläufig in Götzendorf an der Leitha inne hielt, aber dank Bus bis  Mannersdorf reichte. Nach einer Durchquerung des Ortes hieß es mal “Baxa”.

Die folgenden Tafeln erinnern daran, dass eigentlich eine Wanderung geplant ist und zeigen, wo es langgehen soll, plus einem handschriftlichen Hinweis, was zu erwarten ist:

Bei einem weiteren  Sidestep gibt es ein abgesperrtes Gelände zu sehen, zu dem Schützen von Donnerstags bis Samstags Zutritt haben und die Kletterer von Sonntags bis Mittwoch. Möglicherweise kämen sie ansonsten einander in die Quere und die Mannersdorfer Kletterer würden von Woche zu Woche an Aktivisten einbüßen.
Bald gibt es Alleen, es gibt Wald und Wald und wenig Landschaft für eine Weile. Für eine ganze Weile. Wohl bis hin zur Franz-Josefs-Warte bei der Kaisereiche, von wo ein Rundblick zu erwarten ist. Am Vortag habe ich in der Geschichte des Bundes der Kommunisten nichts gefunden, was darauf hinweist, dass Marx vor dem Schreiben des Manifests einem leibhaftigen Industrieproletarier  begegnet wäre. Der Bund selber bestand ja aus Handwerksgesellen – bei denen, wie Engels meinte, das künftige revolutionäre Bewusstsein angelegt, aber noch nicht ausgebildet war -, sowie aus Doktoren plus Journalisten, Dichtern und anderem geistigen Kraut. Die Einschätzung, dass die Bourgeoisie nicht nur die Waffen geschmiedet habe, die ihr den Tod bringen, sondern auch die Männer gezeugt hätte, die diese Waffen führen würden,  scheint auf empirisch dünnem Boden getroffen worden zu sein. Und dabei ist es im wesentlichen geblieben. Sowie auch der Wald länger vor sich hin waldet, als ich eigentlich erwartet habe. Zum Kommunistischen Manifest fällt mir wieder der Satz ein, der mich am Vortag stocken hat lassen: “Gleicher Arbeitszwang für alle, Errichtung industrieller Armeen, besonders für den Ackerbau.” Das wird als eine der notwendigen despotischen Maßnahmen nach der siegreichen Revolution des Proletariats genannt. Lenin und Trotzki scheinen sich diesen Satz gemerkt zu haben. Das Schild “Durch die Wüste”, welches alle paar hundert Meter erscheint, weist jetzt zwei Pfeile auf, einer zeigt nach links, der andere nach rechts. Was mich nicht weiter beunruhigt, weil ich bislang kein Buschmesser gebraucht habe. Allerdings fahren mir immer wieder unsichtbare Fäden ins Haar und eine seltsame Erscheinung lenkt mich von Marxens industrieller Armee ab und der Tatsache ab, dass ich offenbar wo anders bin, als ich nach der Gehzeit sein müsste.

(Zweiter Teil folgt)

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