Schwarze Büchereipädagogik meets Offenen Bücherschrank


Kaarst: Büchereien gegen “offenen Bücherschrank” | NGZ-Online
Der RWE-Konzern hat der Stadt Kaarst angeboten, ihr vier Jahre lang einen öffentlichen, für jeden zugänglichen Bücherschrank zu sponsern und die Wartungskosten zu übernehmen.
Ein weiterer Antrag zur Errichtung eines Offenen Bücherschranks durch einen Verein liegt ebenfalls im Stadtrat. Im RWE-Angebot wäre die kostenlose Betreuung durch einen örtlichen Buchhändler enthalten. Doch es gibt Gegenstimmen (fett nicht im Original):
Die Leitungen der Kaarster Büchereien haben sich gegen den “offenen Bücherschrank” ausgesprochen, weil “in jedem Stadtteil, außer in Driesch, eine oder sogar zwei Büchereien vorhanden sind”. Der Verein “Anthemon K 51″, heißt es in einem Schreiben an Kulturmanager Klaus Stevens weiter, sei bislang auch niemandem bekannt. Man befürchte, dass ein öffentlicher Bücherschrank zur Weitergabe von fragwürdigem Gedankengut missbraucht werden könnte.
Dem Ausdruck der Sorge um die Versorgung der Kaarster Bevölkerung mit ausschließlich unfragwürdigem Gedankengut wird ein nützlicher Hinweis auf Gebühren und pädagogische Funktion des Kaarster Büchereienverbunds hinzugefügt:
Die Kosten für das Ausleihen eines Buches in einer der Kaarster Büchereien seien mit 20 Cent für vier Wochen “nicht der Rede wert” und dienten zudem als Erziehungsmaßnahme für Kinder und Jugendliche nach dem Motto: “Auf Dinge, für die ich bezahle, passe ich besser auf”.
Der “Kaarster Büchereienverbund” umfasst laut Stadt-Homepage 7 Büchereien mit äußerst bescheidenen Öffnungszeiten in einer Stadt mit 42.000 Ew. Ab 2006 trugen die Bistümer die Betriebskosten für die Büchereien nicht mehr, wie aus einem Artikel der NGZ-Online hervorgeht. Woraufhin die Stadt den jährlichen Zuschuss von 17.900 auf 25.000 € erhöhte. Im Kulturausschuss wurde damals darauf hingewiesen, dass die Büchereien gut seien und trotz erhöhten Zuschusses “günstig wie sonst nirgendwo.” In zwei Stellungnahmen werden die Komponenten engagiert & billig  auf den Punkt gebracht:
Lieselotte Schwabe (CDU) lobte das Engagement der Ehrenamtler um Annette Jung als Leiterin des Büchereisystems. Und die Kulturausschuss-Vorsitzende Dagmar Treger (CDU) gestand: „Wir sind froh, dass wir keine städtische Bücherei vorhalten müssen.“
Interessant an der Auseinandersetzung um den frei zugänglichen Bücherschrank ist, dass die Büchereien durch ihn eine Konkurrenz fürchten, während der Buchhändler, der hier viel eher eine reale Konkurrenz zu fürchten hätte, im Gegenteil das Projekt unterstützt und die ehrenamtliche Betreuung der “Stahlbox” übernehmen würde. Wie es scheint, dürfte es sich aber eher um eine Konkurrenz um den gedankengutlichen Einfluss auf die Kaarstner Seelen handeln, wie auch aus dem Bekenntnis einer langjährigen “Bibliothekarin aus Leidenschaft” zu entnehmen ist:
“Gemeinde findet auch in der Bücherei statt”, sagt sie, “doch wir sind nicht verstaubt und bieten neben der natürlich vorhandenen christlichen Literatur auch weltliche an”. Der Glaube ist für Ingrid Gartmann, die ihre Kinder christlich erzogen hat, der enge Bezug zur Familie. “Ich stehe der Gemeinde zur Verfügung und vermittele mit der Literatur, die hier zur Verfügung steht, auch christliche Werte.”

One Response to “Schwarze Büchereipädagogik meets Offenen Bücherschrank”

  1. Gabriele Schmidt

    Nach meinem Verständnis bildet der christliche Glaube die Grundlage für Redlichkeit und Anstand. Insoweit wäre Frau Gartmann zu fragen, ob die Verursachung eines erheblichen materiellen und immateriellen Schadens durch den Verkauf einer wertlosen Immobilie nicht eher ein antichristliches Verhalten belegt und man in diesem Fall darauf verzichten sollte, sich insoweit öffentlich als Christen zu bekennen.

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