Straflektüre “Lehrerzeitung”

Gerade bei Julius Hay, Geboren 1900 gelesen:

Die Sowjetzeitungen durfte nicht ein jeder, der grad Lust hatte, bestellen, es wurde von leitenden Genossen des Betriebs oder der Organisation beurteilt, wem welche Zeitung zustand, dass mich Genosse Apletin so hoch eingeschätzt hatte, dass ich die “Prawdaund die “Deutsche Zentralzeitung” bekommen konnte, das hatte was zu sagen. Einmal musste ich mich wegen irgendeiner Schlamperei mit der “Lehrerzeitung” zufrieden geben. Zur Hälfte war zwar der Text in allen Zeitungen Wort für Wort derselbe, wegen der Einschätzung des persönlichen Wertes war es dennoch nicht gleichgültig, in welcher Zeitung man den identischen Text las. Einer, der – sagen wir – “Prawda”, Iswestija“, “Liternaturnaja Gasetta” und noch zwei, drei Monatszeitschriften bestellen durfte, konnte auch ohne geschriebene Regel mit verschiedenen Vorrechten rechnen. Das Zeitungsabonnement gehört also zu den unzähligen Rangabzeichen, die man trug und ohne die man verloren war. Ohne einen ununterbrochenen Drang nach oben und eine höhere Unterstützung konnte man seinen Rang nicht behaupten. (Und ohne Zeitungspapier zu sein, war auch nicht angenehm.)

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