90. Todestag von Nikolaj Gumiljow. Erschossen durch Lenins Schergen.

Gorki war nach der Verhaftung Nikolaj Gumiljows,  (der mit 60 anderen Verdächtigen Anfang August der “konterrevolutionären Verschwörung” angeklagt worden war) nach Moskau zu Lenin geeilt. Nach der einen Version hatte Lenin sich geweigert, den Dichter – der übrigens unschuldig war – zu “begnadigen”, nach der anderen war Gorki mit der Begnadigung in der Tasche zu spät gekommen. Nikolaj Gumiljow war bereits nahe Leningrad erschossen worden – am 24. August 1921.
Er war der erste bedeutende Dichter, dem dies durch die Bolschewiki widerfuhr.  Ossip Mandelstam, der ebenfalls zu dem kleinen, aber für die russische Lyrik überaus große Wirkung entfaltenden Kreis der Akmeisten zählte, wurde Jahre später durch die Stalinisten umgebracht.
Für die Ermordung Gumiljows ist aber Lenin und die von ihm sehr frühzeitig gegründete und mit allen Machtbefugnissen ausgestattete Tscheka verantwortlich.
Direkt auf Betreiben Lenins zurück geht die Ausweisung von über 160 Philosophen und Wissenschafter, die gewaltsam auf zwei Dampfer (“Philosophendampfer”) gebracht wurden. Als Begründung hatte Trotzkij später angegeben:

„Wir haben diese Leute deshalb ausgewiesen, weil es keinen Anlass gab, sie zu erschießen, doch sie zu dulden, war unmöglich.“

Die Ausmerzung der sich nicht direkt den Bolschewiki unterwerfenden “Intelligenzja” hatte begonnen.
Die Technische Intelligenz blieb vorläufig verschont. Knapp zehn Jahre später ereilte sie ein zum Teil noch härteres Schicksal.

Fragmente 1920 – 1921
1
Ich denke oft an mein Alter,
An Weisheit und Ruhe.

2
Ich stehe schon im Garten einer andren Erde,
Zwischen blutenden Rosen und feuchtnassen Lilien,
Und es berichtet in Hexametern Vergil, wie
Die höchsten Freuden sind auf Erden.

3
Glockenklänge,
Ahornhänge,
Fledermaus und Stör.
Shakespeare und Ovid
Für den, der sie hört,
Für den, der sie sieht, –
Am Ende der Geschichte
Trauert alles um den Dichter

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