Bonn: die verfemten und verbrannten Bücher kehren zurück

Der Anlass: Bücherverbrennung in Bonn

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„Langsam schoben sich die braunen Kolonnen der Nationalsozialisten und dann das Feldgrau des Stahlhelms zwischen die Mauern der Bevölkerung hindurch auf das weiße Karree. Mit Sporengeklirr und wehenden Fahnen marschierten die Chargierten der Korporationen und die Aktivitas an und nahmen um den Scheiterhaufen Aufstellung. Dann – natürlich ohne Tritt! – eine große Gruppe von Studentinnen und schließlich die Freistudenten. Der Markt war gefüllt …“

 Das Mahnmal: Die InitiatorInnen

InitiatorInnen

Der Bonner Bürger Wolfgang H. Deuling hatte die Idee und ergriff die Initiative, Frau Dorothee Pass-Weingartz von den Grünen/Bündnis 90 erwirkte den entscheidenden Antrag, der schließlich zur Beschlusslage erhoben wurde:

  1. Die Stadt unterstützt Herrn Wolfgang H. Deuling bei der Verwirklichung eines Erinnerungsmales zum Gedenken an die Bücherverbrennung am 10. Mai 1933 auf dem Bonner Marktplatz.
  2. Die Finanzierung des Erinnerungsmales erfolgt privat. Die im Rahmen einer öffentlichen Ausschreibung eingegangenen Entwürfe werden in einer Arbeitsgruppe, bestehend aus Vertreterinnen und Vertretern des Bonner Stadtmuseums, der Gedenkstätte für die Bonner Opfer des Nationalsozialismus und des Stadtarchivs ausgewählt.
  3. Für die feierliche Einweihung des Erinnerungmales ist der 10. Mai 2013 anvisiert.
WDR-Bericht und Interview mit W. Deuling:

 
 
Die Künstler

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Horst Hoheisel and Andreas Knitz gewannen die Ausschreibung mit diesem Konzept:

Idee:
Über den Platz verstreute „Lese-Zeichen“ nennen die Titel und Autoren der von den Nationalsozialisten am 10. Mai 1933 verbrannten Bücher. Ein Archiv der verbrannten Bücher wird in den Platz eingelassen. Ein Ritual transformiert das DENK-MAL in ein LESE-MAL.
 
Ritual:
Denkmale brauchen Rituale, damit Sie immer wieder neu belebt und erinnert werden. Das im Zentrum der über den Platz gestreuten Lese-Zeichen eingelassene Bücherarchiv vor der Rathaustreppe bleibt das ganze Jahr über verschlossen. Nur an jedem 10. Mai wird es geöffnet und Bücher der verfolgten Autoren werden herausgenommen. Es wird aus ihnen zitiert und die Bände werden anschließenden an Menschen aus Bonn verschenkt. Dann wird das Archiv wieder neu mit anderen Autoren aus der Bibliothek der verbrannten Bücher befüllt und bis zum kommenden Mai verschlossen. So können von Jahr zu Jahr immer andere Titel und Autoren der von den Nationalsozialisten verbrannten Bücher nicht nur in Erinnerung gerufen, sondern auch wieder neu gelesen werden.
Durch das jährliche Ritual der Bücher-Schenkung wirkt das Denkmal in die Stadt Bonn hinein. Alle an jedem 10. Mai aus dem Denkmal verschenkten Bücher verteilen sich auf verschiedene Bücherregale über die ganze Stadt. Diese Bücher kommen nicht aus dem Buchladen, sie kommen aus dem Denk-mal. Das DENK-MAL wird zum LESE-MAL. Unter der Leitung von Prof. Julius Schoeps gibt der Georg OLMS Verlag die „Bibliothek der verbrannten Bücher“ mit 120 Titeln neu heraus. Diese Bibliothek, die auch Schulen gestiftet werden soll, kann als Fundus für das Archiv der verbrannten Bücher auf dem Rathausplatz in Bonn dienen.
www.verbrannte-buecher.de

Umsetzung:
In dem vorhandenen Pflaster des Platzes werden Bronze-Bücher der von den Nationalsozialisten verbrannten Ausgaben verlegt. Die Buchrücken schließen mit der Pflasterung ab. Auf ihnen sind Titel und Autoren der verbrannten Bücher zu lesen. Die zunächst zufällig auftauchenden Lesezeichen im Platz verdichten sich an der Stelle vor der Rathaustreppe wo am 10. Mai 1933 die Bücher verbrannt wurden. Dort ist in Form einer Büchertruhe ein wetterfester Archiv-Behälter eingelassen. Seine Inschrift benennt das Ereignis und die Autoren der verbrannten Bücher.

Die Eröffnung

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Oberbürgermeister Jürgen Nimptsch hielt die Eröffnungsrede, der Rektor der Bonner Universität, Jürgen Fohrmann (Mitte), fand es beschämend, dass der Germanist Naumann von der Bonner Uni die Brandrede gehalten habe, und Hans Wupper-Tewes von der Landeszentrale für politische Bildung (rechts im Bild) machte die wichtige Feststellung,

“Es waren keine braune Horden, die Initiatoren und Organisatoren der Bücherverbrennung waren. Es kam aus der Studentenschaft mit Unterstützung der Professoren und der kommunalen Verwaltung”,

Die Enthüllung

Enthuellung

Die Wiedererstehung der verbrannten Bücher

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Karl Marx und Das Kapital sind nun Teil des Bonner Pflasters!

Karl-MarxHeute, am 195. Geburtstag des großen Denkers und Ermutigers passt folgendes, von Alfred Kerger geschossenes Foto, auf dem der Bonner Kulturdezernent, Martin Schumacher, dem kulturpolitischen Sprecher der Linken im Bonner Rat, Jürgen Repschläger, Das Kapital von Karl Marx übergibt:

Karl Marx wird zum Pflasterstein

© Alfred Kerger

Das Werk ist dieser Tage zusammen mit den Werken vieler anderen AutorInnen, welche am 10. Mai 1933 von Professoren und Studenten der Bonner Universität,

Karl Marx Das Kapital

© Alfred Kerger

von NS-Organisationen und von Bonner Bürgern und Bürgerinnen verbrannt wurden, in das Pflaster am Bonner Marktplatz eingelassen worden. Dem Tag der Schande wird am 10. Mai 2013 durch das neu errichtete Mahnmal mit dem “Feld der Erinnerung” Paroli geboten.

NamenVerbrannteBonn

Beethovenjubiläum: Bonner Sonderzug nach Wien?

Jürgen Repschläger von der Bonner Linksfraktion meint in einer Stellungnahme, dass es allen politischen Kräften der Stadt völlig klar sei, dass das geplante Festspielhaus, welches für den 250. Geburtstags Beethovens 2020 bereit stehen sollte, nicht finanzierbar sei. Daher müssten “Aus der Agonie des Festspielhauses … Konsequenzen gezogen werden”, was heißt, eine Adaptierung der bereits bestehenden Beethovenhalle. Andernfalls

“können die Beethovenfreunde- und freundinnen dieser Stadt schon einmal vorsorglich Sonderzüge nach Wien buchen, um dort Beethovens Geburtstag zu begehen.”

Diesen Sonderzug könnte man sich in etwa so vorstellen: sonderzug_multan_xs

Hoffen wir, dass die Bonner Stadtregierung doch noch einen entsprechenden Rahmen für die Beethovenfeiern zu schaffen imstande ist, damit nicht jene österreichische Schlawineransicht bestärkt werde, dass Hitler ein Deutscher und Beethoven sowieso ein Wiener sei…

Literaturblog Duftender Doppelpunkt zur Bonner Bücherverbrennung 1933

In zwei Beiträgen dokumentiert der Literaturblog Duftender Doppelpunkt das Geschehen in Bonn. Einmal 10. Mai 1933:

dd-bvbonn1zum Weiterlesen anklicken 

und in einem zweiten Beitrag werden die langdauernden und bis zuletzt von politischen Querschlägen beeinträchtigten Aktivitäten Wolfgang Deulings und seiner MitstreiterInnen zur Errichtung eines Mahnmals (“Feld der Erinnerung”) zum Gedenken an diesen dunkeln Punkt der Bonner Geschichte dargestellt:

dd-bvbonn2zum Weiterlesen anklicken 

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Bücherverbrennung und Exilliteratur im Nationalsozialismus”
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Franz Schausbergers unredlicher Umgang mit Zitaten

coverjb2012Der ehemalige ÖVP-Landeshauptmann und nunmehrige Historiker Franz Schausberger hat in einem Aufsatz im “Österreichisches Jahrbuch für Politik 2012″ und auf einen darauf basierenden Artikel im “Standard” über den “Judenhass einer SPÖ-Ikone”. behauptet, Karl Renner sei ein Antisemit gewesen. Belegt wird dies mit Zitatgen aus sechs Nationalratsreden aus den Jahren 1920, 1921, 1922 und 1926. Daran schließt sich die Forderung, den Karl-Renner-Ring analog zum Lueger-Ring umzubenennen. Dieser Tage wurde diese Forderung auch vom ÖVP-Klubobmann Klopf in der Kronenzeitung erhoben, und aus dem ganz rechten Ecke wird mitgeheult.

Stimmt es nun, dass  Karl Renner in seinen Parlamentsreden aus einem antisemitischen Herzen keine Mördergrube gemacht hat? Ludwig Dvořák hat in seiner Replik “Vom fragwürdigen Umgang mit ‘nützlichen’ Zitaten” zutreffend auf eine aus dem Zusammenhang herausreißende Argumentationsweise hingewiesen. Aber ist dies ein Einzelfall und gilt dies für die anderen Zitate nicht?

Auf “Was Renner wirklich sagte – und wie ein ÖVP-Historiker damit umgeht” sind die Interpretationen von Renners Reden, wie sie Schausberger im ÖJP 2012 dargelegt hat, mit den Originalzitaten verglichen worden. Jede oder jeder kann nun überprüfen, ob Schausberger den Inhalt wesentlich  bestimmende Teile aus den Zitaten ausgelassen oder einen aufhellenden Kontext verschwiegen hat:

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Meiner Meinung nach hat Schausberger auf eine eines Historikers und Politikers unwürdige Weise Zitate auf eine ihm genehme Weise arrangiert und den Kontext und die zugrunde liegenden Redefiguren unterschlagen. Was man schlicht mit unredlichem Vorgehen bezeichnen kann.

Im übrigen halte ich Karl Renner für eine ziemlich miese politische Figur, die stets bereit war, für alle Wechselfälle sich selber ins Spiel zu bringen und dafür auf grundlegende sozialistische und demokratische Prinzipien zu verzichten – am krassesten und durch nichts zu entschuldigen in seiner Haltung zum Anschluss Österreichs an Nazideutschland.

Meiner Meinung nach wäre eine Umbenennung des nach ihm benannten Ringes in z.B. Käthe-Leichter-Ring eine gute Sache. 

Winterwasser und noch was

KonsumwahnKonsumwahn
Geschwollene LiesingGeschwollene Liesing
Nochmals die Liesing, kräftig.Nochmals die Liesing, kräftig.
Zwischen Zentralfriedhof und Zentralwerkstätte Verkehrsbetriebe.Zwischen Zentralfriedhof und Zentralwerkstätte Verkehrsbetriebe.
Leitha bei TrautmannsdorfLeitha bei Trautmannsdorf
Weiter LeithaWeiter Leitha
Naturschutzgebiet BatthianyfeldNaturschutzgebiet Batthianyfeld
Geplünderter offener Bücherschrank vor Bruck / LeithaGeplünderter offener Bücherschrank vor Bruck / Leitha